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Interview: Hannes Havranek

Sie sind Spezialist im Unternehmens- und Gesellschaftsrecht. Warum haben Sie sich ausgerechnet für dieses Rechtsgebiet entschieden?
Als Konzipient galt mein Interesse eigentlich den Menschenrechten und ich habe meine Karriere auch in dem Gebiet begonnen. Allerdings war diese Arbeit nach einer gewissen Zeit frustrierend, weil einem die Schicksale mancher Menschen schon sehr nahe gehen können und die Judikatur nicht sehr menschenrechtsfreundlich war. Also wollte ich in einen Bereich, der mich emotional nicht so mitnimmt. So bin ich beim Gesellschaftsrecht gelandet.

Wie schwierig ist es, sich im Bereich M&A gegen Großkanzleien zu behaupten?
Vor 20 Jahren, als ich Anwalt wurde, war es sicher schwieriger als heute. Damals ging ein Großteil der großen Mandate fix zu Großkanzleien ohne dass die Unternehmen sich auch nach kleineren Einheiten umgesehen hätten. Mittlerweile gibt es so viele Spin-Offs von Großkanzleien, dass sich der Markt gedreht hat. Die Größe, die wir jetzt haben, ist mit Sicherheit kein Wettbewerbsnachteil bei 95 Prozent der potenziellen Mandate. Ich vertrete zum Beispiel Anheuser-Busch, den zweitgrößten Bierkonzern der Welt, in Österreich und denen war es ganz egal, wie groß unsere Kanzlei ist. Viele Mandanten sind auch einfach nicht mehr bereit, die Kostenstrukturen von Großkanzleien mitzufinanzieren.

Wie hat sich Ihr Geschäft in den letzten Jahren entwickelt?
Meine Mandanten erwarten, dass man sie und ihr Unternehmen versteht und nicht nur einen Blick von außen darauf wirft. Die individuelle, konkrete Beratung wird immer wichtiger und gehört zu meinem täglichen Brot. Damit einher geht auch, dass die persönliche Betreuung immer wichtiger wird. Viele Mandanten wünschen sich einen fixen Ansprechpartner, dem sie vertrauen können.

Bekommen alle Ihre Mandanten auch Ihre Handynummer?
Natürlich. Hier gilt das Prinzip des wechselseitigen Vertrauens. Ich gehe davon aus, dass mich Mandanten nicht grundlos am Wochenende anrufen würden. Und ich will für sie natürlich da sein, wenn sie mich am Wochenende aus wichtigem Grund anrufen. Man verbringt mit seinem Mandanten mitunter viel Zeit, deshalb ist es mir wichtig, dass die Chemie zwischen Mandant und Anwalt stimmt.

Welche Transaktion ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Meine intensivste Zeit hatte ich als Rechtsabteilungsleiter der Libro AG. Damals habe ich in kürzester Zeit acht Vorstände erlebt. Es war eine sehr lehrreiche Zeit, in der ich erkannt habe, wie Vorstände Entscheidungen treffen, wie sie sich in der Krise verhalten. Das hilft mir natürlich als Anwalt auch, meine Mandanten besser zu verstehen. Natürlich ist mir jetzt klarer, was sich ein Firmenchef von seinem Berater erwartet, z.B warum setzt ein Vorstand eine Deadline, obwohl er sich die Arbeit erst nach acht Tagen anschaut.

Was war für Sie die spannendste Transaktion, die Sie als Anwalt je betreut haben?
Das war, als Pro7 von der Andorfer Gruppe den TV-Sender A9 gekauft hat, denn ein Fernsehsender wird in Österreich nicht alle Tage verkauft.

Welche Art von Mandant ist Ihnen am liebsten?
Ein guter Mandant ist für mich einer, mit dem man auf einer sehr respektvollen Basis, auf Augenhöhe arbeiten kann.

Interview geführt mit Mag. Angelika Kramer – Der Trend

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