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Interview: Dörk Pätzold

Sie sind gebürtiger Deutscher. Wie sind Sie in Österreich gelandet?
Vor dem 2. Staatsexamen habe ich mein temporäres Pflichtwahlpraktikum zufällig in Österreich gemacht. Mein damaliger Ausbildungsanwalt hat mich dann gefragt, ob ich nicht noch länger bleiben wolle. Eigentlich war der Schritt nur als Referenz im Lebenslauf gedacht, ich habe aber tatsächlich nie einen Umkehrzeitpunkt gesucht.

Wollten Sie immer schon Jurist werden?
Nein, ursprünglich wollte ich Maschinenbau studieren. Aber mir ist in den 90er Jahren die Unternehmenskrise in der Industrie in Ostdeutschland dazwischengekommen. Jus war nicht meine erste Wahl. Heute bin ich sehr froh, mich so entschieden zu haben.

Jus ist krisensicherer…
Ja, genau. Sanierungs- und Restrukturierungsbedarf wird es immer geben und da sind Berater gefragt.

Wie sehr beschäftigen Sie aktuell Unternehmenskrisen?
Momentan ist von einer allgemeinen Wirtschaftskrise noch nichts zu spüren. Restrukturierungen und Insolvenzen waren zuletzt leicht rückläufig. Alle gängigen Marktstudien gehen aber davon aus, dass der Restrukturierungsbedarf steigen wird. Man kann sehen, dass heute in Krisensituationen viel schärfer vorgegangen wird seitens der Insolvenzverwalter, so werden etwa Anfechtungstatbestände viel öfter genutzt und Haftungen geltend gemacht. Das macht es für uns Berater nicht unbedingt leichter, aber noch interessanter.

Welche speziellen Eigenschaften braucht man denn als Sanierungs-bzw. Restrukturierungsexperte?
Man braucht in erster Linie analytische Fähigkeiten und einen konzeptionellen Zugang. Jede Krise hat ja eine Vorgeschichte und diese Vorgeschichte gilt es einmal zu analysieren, um Ursachen zu identifizieren und Lösungen für das Unternehmen zu finden. Außerdem muss man teamfähig sein, weil normalerweise viele Leute an solchen Prozessen beteiligt sind: Unternehmensberater, Wirtschaftsprüfer, Firmeninhaber, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter etc. Oftmals sind Familienunternehmen betroffen, es geht um die Zusammenarbeit mit Menschen vor der Kulisse einer Unternehmenskrise und persönliche Schicksale. Also muss ich meine Mandanten als Sanierungsberater auch emotional abholen können.

Wie hat sich denn Ihre Arbeit im Laufe der Jahre verändert?
Früher wurde man als Boutique-Kanzlei wie wir eine sind bei Sanierungen bzw. Restrukturierungen gar nicht beauftragt, weil man der Meinung war, dass nicht genügend Manpower vorhanden ist. Das hat sich geändert, die Auftraggeber haben erkannt, dass auch kleinere Kanzleien hier über sehr gute Möglichkeiten verfügen, sehr gute Zugänge haben und das nötige Spezialwissen. Wir können auf Partnerebene vor allem flexibler an der Causa arbeiten und pragmatische Lösungen umsetzen. In manchen Fällen sind wir wochenlang täglich für unsere Mandaten im Einsatz. Da würde sich eine Großkanzlei schwer tun, das abzubilden.

Was sind denn die Hauptursachen, dass Unternehmen in Probleme geraten?
Es wird nur reagiert und nicht agiert. Der häufigste Fehler ist überhaupt, dass Restrukturierungsmaßnahmen erst gesetzt werden, wenn die Krise lange im Unternehmen angekommen ist. Die Selbstwahrnehmung ist oftmals getrübt. Das Management gesteht sich oft zu spät ein, dass Fehler gemacht wurden und es werden unhaltbare Positionen eingenommen. Viele Krisen sind hausgemacht.

Wie unterscheidet sich Deutschland von Österreich bei Unternehmensrestrukturierungen?
Wenn die Krise eingesetzt hat, gibt es in beiden Ländern doch recht unterschiedliche Rechtsvorschriften. Alles in allem ist das deutsche Recht im Vorfeld von Insolvenzen sanierungsfreundlicher und flexibler geregelt. In Österreich hat sich das Verfahren nach dem Unternehmensreorganisationsgesetzt praktisch nicht bewährt. Abgesehen von den Fällen einer Sanierung von bereits insolventen Unternehmen im Rahmen des gerichtlichen Insolvenzverfahrens finden Sanierungen in Österreich im Wesentlichen außerhalb formeller Verfahren statt.

Auf EU-Ebene kommt in Kürze eine Regelung zur Vereinheitlichung von Insolvenzrahmen. Das geht alles zu Lasten der Gläubiger, oder?
Es wird einige Bewegung in die Materie kommen. Die Restrukturierungsrichtlinie sieht etwa die Bildung unterschiedlicher Klassen von Gläubigern vor, was zwar in der Sanierungspraxis bereits gelebt wird, aber gesetzlich bisher nicht bekannt war. Ja, es wird sicher eine Verschiebung zu Lasten von Gläubigern bzw. einzelner Gläubigerklassen geben, aber im Detail lässt die Richtlinie den Mitgliedsstaaten viel Spielraum bei der Umsetzung.

Wie erleben Sie Banken in Ihrer Arbeit?
Sie sind meist die wichtigsten und einflussreichsten Akteure bei Sanierungen und Restrukturierungen, oft von Angst getrieben und meist sehr formalistisch und unnachgiebig, auch aufgrund ihrer strengen Regularien. Die Banken haben, weil es zuletzt weniger Insolvenzen gab, bei ihren eigenen Restrukturierungsabteilungen gespart, was die Zusammenarbeit mit ihnen nicht leichter macht. Man muss die Banken aber als Teil der Lösung gewinnen. Wenn die Bank Teil des Problems ist, wird es besonders anspruchsvoll.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Rahmen dieser Kanzlei?
Die Kanzlei hat ein sehr junges, dynamisches Auftreten. Ich sehe mich da ein bisschen als erfahrener Teil in diesem Gefüge. Ich schätze die kooperative Zusammenarbeit unter den 5 Partnern sehr.

Interview geführt mit Mag. Angelika Kramer – Der Trend