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Interview: Sebastian Feuchtmüller

Sie haben vor drei Jahren mit Benedikt Stockert eine eigene Kanzlei gegründet. Haben Sie Ihre Entscheidung je bereut?
Nein, nie. Die Entscheidung, etwas Eigenes zu tun, habe ich erlebt wie ein zweites Mal Erwachsenwerden.

Sie haben eigentlich zwei Schwerpunkte: Vergaberecht und Immobilienrecht. Wie kam es zu dieser Kombination?
Vergaberecht ist eine Querschnittsmaterie. Ich war einige Jahre WU-Assistent im Zivilrecht und nähere mich auch dem Vergaberecht eher von der zivilrechtlichen Seite. Komplizierte Vergaberechtsfälle muss man nicht nur rechtlich korrekt abwickeln, sondern es geht am Ende um einen funktionierenden, guten Vertrag. Vergaberecht mit Zivilrecht, insbesondere auch mit Immobilienrecht, zu kombinieren, macht Spaß. Letztlich hat sich für mich diese Kombination auch aus den vielen Schnittstellen ergeben.

Das Vergaberecht wird alle paar Jahre novelliert. Wie mühsam ist das für einen Anwalt?
Für einen Juristen, der viel mit Vergaberecht zu tun hat, ist es spannend, sich alle paar Jahre mit Neuerungen zu befassen. Aus Sicht der öffentlichen Hand und der Nichtjuristen unter den Rechtsunterworfenen sind die ständigen Novellierungen natürlich suboptimal, zumal nicht jede Novelle unbedingt notwendig ist. Die Freude bei meinen Mandanten ist enden wollend.

Aber gut für Sie, Ihnen wird nicht langweilig?
Das ist richtig. Ich bin seit 14 Jahren im Vergaberecht tätig und die Nachfrage wird immer größer.

Was ist für Sie das Interessante am Vergaberecht?
Das Zusammenkommen unterschiedlicher Rechtsgebiete bedeutet auch, dass man sehr kreativ sein kann und muss, um die Spielräume, die einem die Gesetze lassen, bestmöglich zu nutzen. Die Problemstellungen variieren nach wie vor, es bleibt spannend.

Hat der Ibiza-Skandal Ihrer Branche geschadet? Sind Vergaben der öffentlichen Hand per se unsauber?
Ich glaube nicht, dass Ibiza viel an der öffentlichen Wahrnehmung geändert hat. Der öffentliche Beschaffungsmarkt hatte auch davor nicht bei allen den besten Ruf. Aus Sicht der Auftraggeber schafft das Vergaberecht bei aller Daseinsberechtigung einen starren Rahmen, der nicht lustig ist. Es ist für öffentliche Auftraggeber legitim, sich anzuschauen, wie man die bestehenden Spielräume sinnvoll nutzen kann. Ich habe nicht immer alle Wünsche und Vorstellungen der Beteiligten nachvollziehen können, aber Korruption bei Vergaben habe ich nie erlebt.

Haben Sie überhaupt eine Neigung zum Kreativen?
Ich denke schon, das ist in meiner Persönlichkeit verankert. Ich hatte immer schon Lust, Sachen etwas anders anzupacken.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten drei Jahren verändert?
Zur rein juristischen Tätigkeit sind durch die Kanzleigründung auch Führungs- und Kanzleientwicklungstätigkeiten dazugekommen, die ich vorher so nicht kannte. Ich sehe das als Teil der Selbstverwirklichung.

Wie sehen Ihre beruflichen Ziele aus?
Ich glaube, ich habe schon sehr viel erreicht, weil ich durch die Selbständigkeit in einer Position bin, in der ich viel gestalten kann. Und Vieles ist auch ganz anders passiert, als ich es ursprünglich geplant hatte. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Ich sehe mich als Jurist mit Leidenschaft und insofern bin ich angekommen.

Interview geführt mit Mag. Angelika Kramer – Der Trend

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