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Interview: Karlheinz Moick

Stimmt es, dass Vergaberechtsanwälte noch detailverliebter als andere Anwälte sind?
Da könnte etwas Wahres dran sein. Das Vergaberecht zieht solche Leute an, weil es ein sehr formalistisches Rechtsgebiet ist. Jeder kleine Fehler kann dazu führen, dass einem das Wort im Mund umgedreht wird. Daher ist mir ein hoher Anspruch an Genauigkeit und Perfektion wichtig.

Was gefällt Ihnen am Vergaberecht?
Vor allem, dass es eine Querschnittsmaterie ist und man es als Anwalt mit vielen Gebieten zu tun bekommt. Je nach Beschaffungsprojekt beschäftige ich mich zB auch intensiv mit Gewerberecht oder Vertragsrecht. Und es geht nicht nur um Recht, sondern zu einem großen Teil auch um Wirtschaft und Technik. Ein Gespür dafür zu haben, hilft mir im Vergaberecht sehr.

Sie waren auch längere Zeit für einen öffentlichen Auftraggeber tätig. Wieso haben Sie gewechselt?
Die Tätigkeit war sehr spannend, weil ich für Vergaberecht und Beschaffung hauptverantwortlich war. Das waren sehr unterschiedliche Blickwinkel. Die Möglichkeit, diese Erfahrungen aus der Auftraggeberseite in die Kanzlei einzubringen, war schon sehr reizvoll. Den endgültigen Ausschlag hat das Setting dieser Kanzlei gegeben. Sie war neu aufgebaut und ich war eigentlich von der Stunde null an dabei. So konnte ich auch meine eigenen Vorstellungen einbringen. In eine Großkanzlei wäre ich sicher nicht gegangen.

Wie hebt man sich als Vergaberechtsspezialist von all den anderen Experten auf dem Gebiet ab?
Der Markt ist tatsächlich sehr entwickelt. Ich glaube, dass mein Beratungsansatz von dem vieler anderer Vergabrechtsspezialisten abweicht. Mir ist die Nähe zum Menschen sehr wichtig. Ich glaube, dass es mir gut gelingt, zu verstehen, was Auftraggeber brauchen und vielleicht etwas mehr in die Tiefe zu gehen als manch anderer. Ich sehe mich zum Teil auch näher an der Unternehmensberatung als an der klassischen streitigen Anwaltei. „Gerade in meinem Bereich brauchen Mandanten oft einen Berater an ihrer Seite, der bei komplexen Themen den Überblick behält.

Sie wirken so gechillt. Kann Sie jemals etwas aus der Ruhe bringen?
Ich bin sicher mehr der besonnene Charakter als ein typischer Hitzkopf. Wenn es die Situation erfordert, kann ich auch anders. Grundsätzlich löse ich Konfliktsituation aber lieber mit Humor.

Wo sehen Sie im Vergaberecht Reformbedarf?
Meiner Meinung nach ist das Vergaberecht viel zu kompliziert und wird auch immer komplizierter. Man verliert sich darin und es geht oft an der Realität vorbei. Das Ziel der Neukodifikation des Bundesvergabegesetzes im Jahr 2018 war die Vereinfachung, dennoch ist das Gesetz noch formaler geworden. Überhaupt würden mir einige Punkte einfallen, die ich gerne anders, einfacher, geregelt hätte.

Was macht für Sie ein gutes Arbeitsklima aus?
Entscheidend sind die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet. Das Team muss gut funktionieren, man muss sich gegenseitig unterstützen. Ich sehe mich auch nicht als Silberrücken-Gorilla, der keinen Widerspruch duldet.